Wie verbringt man also die letzte Woche in Dublin? Nach 150 verstrichenen Tagen gibt es auch nicht mehr viel zu tun..
Momentan beschäftige ich mich auf Arbeit mit der (absolut nicht nennenswerten) Homepage der Schule. Der "ach so tolle" IT-Fritze im Büro hat bestimmte Dateien gelöscht und so mit muss ich 3500 Links und Verweise der Homepage wieder zuweisen. Eine sehr schöne Arbeit (höchstgradig ironisch gemeint!). Nachdem ich nun fast blöd geworden bin dadurch, machte ich erst einmal Mittag. Die KNORR Aufgussnudelbecher kann ich wirklich nicht mehr sehen, aber der heute musste rein.. danach gingen Irene und ich ins "Joy of Cha" - eines meiner Lieblingscafés in Dublin. Es ist ein wenig heruntergekommen und nicht gerade das sauberste (ich glaube ein Deutscher würde dort von allein nicht hereingehen), aber sie haben ein unglaubliches Angebot an Tee und heißer Schokolade. Heute gab es eine weiße, heiße Schokolade mit einer Mandel-Haselnuss Note. Ein Traum in Tassenfüllung!!
Dann ging es zurück an die Links und kurz vor Feierabend war meine Chefin hungrig und ich ging ihr Pommes kaufen ("Ich bin auf Diät, ich meide Brot... hol mir Chips").........
Heute morgen rief ich außerdem unseren (nennen wir ihn.. sonderbaren) Vermieter an und machte für heute Abend ein Treffen aus. Pünktlich halb 8 stand er dann vor der Tür und drehte eine Runde durch die Wohnung. Alles perfekt. (So sauber war es nicht mal, als wir eingezogen sind!). Wir haben auch nicht umsonst den kompletten Sonntagnachmittag mit Putzen verbracht. ;-)
So gelangte also unsere Kaution wieder in unsere gierigen Hände und wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles bei Mc Donalds verfressen, wenn wir uns 3 Stunden auf dem Frankfurter Flughafen aufhalten werden.. *grins*
Noch eine andere Sache.. nach all der Zeit umgeben von englischsprechenden Menschen und dem Alltag, habe ich ein paar Probleme, die deutsche Grammatik sortieren zu können. Auf Englisch fällt es mir momentan leichter.. wie mein Mitbewohner gestern schon sagte: "Ey was war das denn für ne Satzkonstruktion.. mach's lieber noch mal auf Englisch".. ;-)
Also verübelt es mir nicht, wenn ich mich demnächst bei diversen Kommunikationen nicht so deutlich oder perfekt ausdrücken kann oder mir ein paar Worte einfach nicht mehr einfallen. Aber das wird sich nach einer Weile hoffentlich auch wieder einpendeln..
Ansonsten genieße ich die letzten Tage nicht sehr. Es reicht auch langsam. 150 Tage, 5 Monate.. es ist eine sehr lange Zeit.. im Nachhinein betrachtet verging sie sehr schnell, im Echtzeitmodus jedoch viel zu langsam. Hinterher klingt es immer einfacher. Es waren Momente, die nie enden wollten.. die ersten paar Mittagspausen im Juli, allein am Fluss auf einer Parkbank...
..und mittlerweile umgeben von zig netten Leuten im Staff Room, jeder kennt mich, jeder fragt wie es mir geht. Stärker hat mich die ganze Sache aber dennoch gemacht. Ich habe gelernt, mich besser zu verstehen, mich durch zu beißen, zu kämpfen, zu schlucken, mich zusammen zu reißen, mir Mut zuzusprechen und mit anderen Sachen besser umzugehen. Meine Persönlichkeit ist stärker geworden, ich bin offener und direkter. Ich habe keine Angst mehr, irgendwelche Leute anzusprechen oder an ein klingelndes Telefon zu gehen (auch wenn ich weiß, es ist ein kaum Englisch sprechender Koreaner am anderen Ende). Allerdings ist die deutsche Mentalität auch viel zu verbohrt und vielleicht werde ich von nun an ein wenig Konfrontations-Probleme haben?! ..."Es wird schon irgendwie gehen." Außerdem sage ich vieles freier heraus (auch wenn mir mein Gewissen meist sagt "das hättest du nicht sagen sollen", doch am Ende war es doch besser so.. und befreiender).
Ich bekomme immernoch keine Komplimente auf Arbeit, so wie die meisten anderen Kollegen. Aber das liegt wohl daran, dass ich keine Armani Sachen tragen werde und mein Geld lieber in mich-glücklich-machendere-Dinge investiere. Wie die Leute hier gehe ich keinen Trends oder Farben nach. Ich kaufe mir nicht die gleichen Sachen, die meine Kollegen auch tragen oder renne in der Mittagspause in sämtliche Klamottenläden und komme mit 5 Tüten zurück.. 3x die Woche. Über diese Leute denke ich mir nur meinen Teil.. wie sie da sitzen und ihre Kiwi essen und dann wieder ein schlechtes Gewissen haben, weil sie eine Banane gegessen haben und die Hose wieder kneifen wird ........ schmunzeln muss ich da manchmal schon.
Dennoch leide ich immernoch unter "Ampel-Paranoia". Zu den Hauptverkehrszeiten sind alle Fußgängerinseln ein wahres Vergnügen (mittlerweile stehen dort jetzt auch Polizisten wegen Taschendiebstählen). Innerhalb einer Minute sammeln sich mindestens 30-40 Leute auf beiden Seiten, die innerhalb eines Dutzends von Sekunden über die 4-spurige Straße hechten.. komme es, wie es wolle (es gibt sogar Sekundenanzeigen an den Fußgängerampeln wann grün wird und dann kommt ein Schuss-ähnliches Signal, wenn man gehen kann)..
Ich habe gelernt, dass man sich NIE hinter diesen Shoppingwahn-verfallenen Menschen befinden sollte, wenn man eine solche Straße überquert - es fliegen einem sämtliche Tüten gegen die Schienbeine! So läuft man also im Marschschritt dem Vordermann hinterher, links und rechts auf engstem Raum ziehen die Massen an einem vorbei. Ein Wahnsinn. Augen zu und durch. Auf die andere Seite, einfach geradeaus und nicht nach links und rechts schauen..
Und außerdem sollte man kein irisches Schweinefleisch essen.